Archiv der Kategorie Review

MR. SCRUFF - NINJA TUNA

Wer hat mit so einem Jahresendspurt gerechnet? Fast alle alten Helden des NuJazz, Freestyle, Fusion oder wie auch immer man das nennen mag – sind mit neuem Album am Start: Jazzanova, Thievery Cooperation, Nightmare on Wax … und nun auch Mr. Scruff. Manche der alten Helden überzeugen in allen Bereichen, manche enttäuschen. Zu welcher Sorte gehört Herr Scruff?
Der abgedrehte Scruff war in den letzten Monaten mit einigen sehr guten 12“s wieder in der Szene und den Playlists vieler Freestyle-DJs aufgetaucht. Das neue Album „Ninja Tuna“ schließt hervorragend an die letzten Releases an. Natürlich findet man hier die Hits „Music takes me up“ mit dem souligen Gesang der fantastischen Alice Russell und die Kooperation „Donkey Ride“ mit dem Tausendsassa Quantic. Darüber hinaus findet man auch fetten Hip Hop mit Unterstützung von Roots Manuva und so manche abgedrehte Soundspielerei mit Disco- oder Latino-Samples.
Mr. Scruff überzeugt mit seinen 13 neuen Tracks erneut mit seiner eigenwilligen Mischung, unerwarteten Wendungen und einer gehörigen Portion Groove und Humor.

Quincy Jointz (4 von 5 Punkten)

www.mrscruff.com

Phour Trakk - Slip into something more comfortable (free download)

English: When the god of small things and the Indian goddess of music get together, then Phour Trakk might be the cause. After his previous side trip to the roaring maze of western metropolises, he packs his bags again in order to leave eastbound while in his mind he has already arrived there. And it goes without saying that he has remembered to slip into clothes both typical for the country and comfortable.

Consequently, his fourth EP on iD.EOLOGY comes along in a guise just as colourful, elegant and rich in texture as a dhoti by Manish Malhotra. Hilarious Bollywood-style vocals meet earthy downbeats, eastern harmonies contrast smoky blue-notes and breezy tabla-rhythms blend with deep fretless basses heavy as lead. While the memories of the skyscrapers’ silhouettes slowly fade, all these details, all these small things coalesce to generate a wistful anticipation of a far-away culture.

Before fascination and rapture now make you light a candle and start making oblations to the gods, you might as well slip into something more comfortable and give this e.p. another thorough listen or two. After all, Phour Trakk has hidden quite a few more niceties for the attentive listener. Or was this, too, the god of small things in the end?

Deutsch: Wenn der Gott der kleinen Dinge und die indische Göttin der Musik zueinander finden, dann könnte das an Phour Trakk liegen. Nach seinem vorherigen Abstecher in das tosende Gewirr westlicher Großstädte packt er erneut seine Sachen und bricht in Richtung Osten auf, während er in Gedanken längst dort angekommen ist. Und selbstverständlich hat er daran gedacht, sich vorher nicht nur landestypisch, sondern vor allem bequem einzukleiden.

Folgerichtig kommt seine vierte EP auf iD.EOLOGY ebenso farbenfroh, texturenreich und elegant daher wie ein Dhoti von Manish Malhotra. Ausgelassene Vocals im Bollywood-Stil treffen auf erdige Downbeats, östliche Harmonien kontrastieren rauchige Bluenotes und kecke Tabla-Rhythmen mischen sich mit zentnerschweren bundlosen E-Bässen. Während die Erinnerung an die Silhoutten der Hochhäuser langsam verblasst, fließen all diese Details, all diese kleinen Dinge zusammen und erzeugen im Kopf die sehnsüchtige Ahnung einer fernen Kultur.

Bevor Ihr nun aber vor lauter Faszination und Begeisterung eine Kerze entzündet und den Göttern Opfergaben darbringt, schlüpft stattdessen doch einfach in etwas Bequemes und hört Euch diese EP noch ein paar Mal häufiger an. Denn für den aufmerksamen Hörer hat Phour Trakk noch einige weitere Feinheiten versteckt. Oder war das am Ende auch der Gott der kleinen Dinge?

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Next Stop by Various Artists - free download

Public Transit Recordings is one of those record labels that has quietly carved a pocket for all that music we’ll be listening to in 10 years time. Its “Future Now” philosophy permeates its ethos, whether guided by electronic soul tapping into a wider state of consciousness or gritty hip hop that actually says something while you move that ass. Its dubbed-out socialelectroconcious poetics with politics. In its storied 10-year history, surviving the ups and downs of the music biz and holding steady on what moves its core, PTR has remained committed to supporting and releasing innovative music that makes a statement. The idea behind the name of the label still holds true a decade since it’s inception; A wide variety of people getting together for a moment in time, coming from different walks of life, different backgrounds, different life experiences all traveling together to one common destination. PTR artists take a ride on the idea that we must continue to explore the possibilities that music can say something while it makes you move, that you can think a bit about the world around you and be open to change while you nod your head on some sick swing.

Consider this compilation. Soul music is the thread and the songs are it’s children who push the conventional into different tangents and headspaces. They all travel towards timeless music that makes sense now, and will make more sense in the future. Listen to the realness, the rawness. It is pure heart and soul poured in by real people scrambling for rent money, hustling to get their artistic ideas out to the wider world, working through sleepless nights to make deadlines, getting down on a dancefloor to shake the blues away. This isn’t a trend, this is life. This is Next Stop.

“Next Stop” is a free download available to all for $0.

“Get this release”

pluto project - one dirt

Finally the long awaited album from our favorite chill specialist music makers Pluto Project, and with no disappointment for the fans who loved their first album “family business”, this essentially eclectic follow-up album strives with momentum from the get go. Starting with the lovely vocal contribution from Tasha on Breath Again a journey we linger through releasing all stress and heaviness of ones day, luscious basslines weaved into airy harmonies. Be swept away feeling free again. This album will open minds to different styles. A full mix of genres including reggae.dub,latin/afro,lounge,triphop,blues electronica. Always good to hear tracks recorded with session musicians, the replacement of sampled instruments gives a refreshing experience, not hard to image it being played by an actual band. One dirt: everything is everything. Same same but different. each song has a strong meaning, true messages and inspiration giving the listener a true taste of variety on one album. Be ready to sing along and release all worries…the boys from Budapest have done it yet again, another great release on Chameleon Records.

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Jazzanova - Of All The Things

Bei Jazzanova gibt es immer einen Wahnsinns Erklärungsbedarf: “Die ganze Zeit muss man den Leuten erklären, was da jetzt eigentlich der Sinn dahinter ist” sagt Alexander Barck, einer der DJs von Jazzanova, mit einem ironischen Grinsen. „Manchmal ist das komisch für uns, weil wir uns selbst gar nicht diese Gedanken machen. Wir lieben Musik, hören sehr viel Musik – alt, neu - und machen gern Musik. Und das ist es. Ein spielerisches Umgehen damit“.

Klingt plausibel, ist aber stark untertrieben. Denn das sechsköpfige Clubkollektiv gehört weltweit zu den gefeierten Innovatoren im Dancefloor, im NuJazz, Broken Beat, im modernen Folk und Soul. Rund um den Globus beten DJs und Vinylfreaks Jazzanova an. Ihre Remixe für Masters At Work, Fat Freddys Drop, 4Hero oder Ursula Rucker sind Kleinode. Aber auch für so verschiedene Künstler wie Lenny Kravitz, Common, Azymuth oder Calexico haben die sechs Berliner gerne das Kunststück gezeigt, unterschiedlichstes Ausgangsmaterial mit Respekt zu behandeln und dabei allem eine unverkennbaren Jazzanova Sound-Signatur zu geben.

Ihr Mentor, der englische Top A&R, Radiomacher und Labelgründer von Talkin Loud, Gilles Peterson, hatte es sofort erkannt und kontaktierte die Jungs direkt nach ihrer ersten Veröffentlichung um einen Remix für die japanische United Future Organisation zu bekommen.  Schon kurze Zeit später waren Jazzanova für Jahre “ausgebucht” und eroberten mit ihren Produktionen und Remixen die Dancefloors der Welt und vor allem die Herzen ihrer Zuhörer.

Die Fähigkeit Musik verschiedener Stile auf einen Nenner zu bringen und ihr enormer Aufwand und Einsatz die Möglichkeiten auszuloten und umzusetzen wird nicht nur sehr in der internationalen Musikwelt respektiert, sondern treibt sie auch immer einen Schritt voraus zu gehen. Dabei ist ihre Musik authentisch und funktioniert “ebenso auf dem Montreux Jazz Festival wie auch im illegalen Kellerclub des Cousins deiner Freundin”, schrieb WaS-Kulturredakteur Cornelius Tittel. Wo andere Produzenten acht Pseudonyme haben, mit denen sie jeweils in dieselbe stilistische Kerbe hauen, bringen die sechs Berliner immer als “Jazzanova” einen achtbaren, außerweltlichen, unberechenbaren Stilmix heraus.

“Berechnung spielt in diesem Prozess keine Rolle” betont Stefan Leisering. Es interessiert nicht, in welchem aktuellen Genre-Zusammenhang die Musik steht mit der man sich gerade beschäftigt, was das gerade für einen Hipness-Faktor hätte. Der Weg, die Entwicklung seien das Ziel. Es mache Spaß, “auf der Suche nach dem ‘perfekten’ Sound an ganz vielen verschiedenen Stationen vorbeizukommen und die Leute daran teilhaben zu lassen”.

“Unsere Musik kann die Leute mit auf eine Reise nehmen”, sagt Alexander Barck. “Wenn wir es schaffen, sie damit zu faszinieren, wenn wir Menschen, die, sagen wir, brasilianische Musik nicht mögen (oder das zumindest dachten) dazu kriegen, zu einem Brasil-Track zu tanzen, wenn die sagen: ‘noch nie gehört, aber Wahnsinn, ist jetzt meine Lieblingsmusik’ – das sind die schönen Momente in einer Produktion oder in einem DJ-Set.”

Diesen Enthusiasmus, diese selbstbewusste Unbefangenheit, gepaart mit professioneller Ethik hört man sofort auf Jazzanovas neuem, zweiten Studioalbum “Of All The Things“ heraus. Es fällt sofort auf, dass Jazzanova wieder mit verschiedenen Stimmen gearbeitet haben und die Mehrzahl männlich ist:

Leon Ware (Soul-Legende und Writer/Producer von Marvin Gayes Album “I Want You”) covert – gemeinsam mit Dwele (Solist für Common und Kanye West) – einen eigenen Song von 1981.

Mit Phonte (Rapper der US Hip-Hop-Band Little Brother), kommen Jazzanova zurück zu ihren Hip Hop-Wurzeln.

Der Detroiter Paul Randolph, der Londoner Ben Westbeech und José James aus Minneapolis – letztere brachten beide unlängst ihre Debütalben auf Gilles Petersons Brownswood-Label heraus – oder Dallas (von den Megastars in New Zealand Fat Freddies Drop) sind mit dabei.

“Dass es so viele Männer geworden sind, ist eigentlich eher ein Zufall“ sagt Claas Brieler “aber alles klingt richtig”.

Die Liste an Musikern, die für dieses Album aufgenommen wurden, ist so umfangreich, dass man es nicht aufzuzählen könnte. Man denke sich nur, dass Jazzanova in den letzten Jahren allein als DJs wohl mindestens 80 mal um die Welt gefahren sind und dabei von jeder Reise einen Musiker mitgebracht haben.

“Für uns sind zunächst einmal die Komposition, Planung der Songs und Produktion der Instrumentals, das in sich verbundene Album Werk. Wenn wir dann mit den Stimmen arbeiten, dann wählen wir sie natürlich gezielt aus und platzieren sie genau so, wie sie in unsere Vision passen. Wir fügen sie als Elemente in unser Bild ein. Dieses Gesamtbild ist das Album. Eine gesamte zusammenhängende Geschichte, und so wie Instrumentierungen und Stile verschieden sind, sind es eben auch die Sänger. Aber das sind wir und den Zusammenhang kann man hören” sagt Axel Reinemer.

Überhaupt hört, spürt und fühlt man viel beim Durchhören dieser Musik! Es ist viel Soul, die Musik ist lebendig und deep zugleich.  Jazzanova haben dieses Album genutzt, um sich und ihre Musik in Songs auszudrücken. Wer ihren Weg verfolgt hat weiß, dass ihr Interesse an Songs im Verhältnis zu dancefloororientierten Produktionen immer weiter gewachsen war und sie mit den Songs auf “Of All The Things” nur konsequent weiter gegangen sind.  Schon ihr erstes Album, der Genreklassiker “In Between” von 2002 hatte die Sample- und Beatspezialisten auf die Bühne mit höheren Ambitionen berufen. Zuletzt hatte ihre Produktion für das Musical “Belle et Fou” in 2006 angekündigt, dass Jazzanova sich für ihr nächstes Album viel vornehmen würden.

Songs und umfangreiche Aufnahmen von Instrumenten standen auf dem Plan. Was sie dann allerdings mit “Of All The Things” abliefern, sprengt hinsichtlich der gesamten Produktion den bisher (schon manchmal unheimlichen aber immerhin) bekannten Rahmen. Mit solch einem Set-Up wären wahrscheinlich auch Frank Sinatra oder James Brown zufrieden gewesen. Allein für “Let Me Show Ya” wurden zwölf Streicher, viele weitere Instrumente und ein Hintergrund-Chor mit acht Stimmen aufgenommen. “Der Hintergrundchor ist leise, aber man spürt die Kraft, und deshalb machen wir uns diesen Aufwand” sagt Axel Reinemer.

Und dabei ist ein großer internationaler Sound entstanden; es passiert eine Menge Musik! Über das ganze Album gesehen arbeiten Jazzanova reichhaltig mit Ideen, Soundschichten- und  Ebenen. Im Gegensatz zu früher haben Jazzanova auf diesem Album kaum mit Samples gearbeitet. Die Beats kommen aus dem Rechner, aber so gut wie alles andere ist live aufgenommen. Hatten sie auf “In Between”  noch dutzende Vinyl-Samples verarbeitet, um ihre Soundvision umzusetzen, so geschieht das jetzt mit Musikern und eigenen Einspielungen.

“Unsere Herangehensweise ist heute anders” sagt Axel Reinemer. “Früher haben wir viele Samples  genutzt, um unsere eigenen Soundwelten zu kreieren. Dieselbe Richtung verfolgen wir noch immer und das war auch mit Samples schon viel Soul. Aber unsere Soundwelten schaffen wir uns heute durch Aufnahmen von Instrumenten. Wir können mit diesen Live-Aufnahmen unsere Songs besser und flexibler umsetzen. Wir haben mehr Spielräume, weil Samples eine festgelegte harmonische Umgebung haben”.

“Aber natürlich haben Samples auch viele tolle Eigenschaften” sagt Claas Brieler. “Zum  Beispiel natürlich den speziellen Klang aus einer anderen Zeit und mit anderem Equipment”.
“Aber die Live-Aufnahme ermöglicht viel mehr Arrangements für uns und unsere Songs zu machen.  Das heißt trotzdem, dass es immer wieder interessant sein kann, mit Samples zu arbeiten und das haben wir auch auf diesem Album gemacht.”

“Wir gehen eigentlich dahin, unsere eigenen Samples zu produzieren” sagt Jürgen von Knoblauch. “Von ‘Let Me Show Ya’ haben wir die Soundwelt zerpflückt (und uns selbst gesampled) um dann ‘So Far From Home’ mit Phonte daraus zu machen. Speziell das Ende haben wir beim Komponieren, Arrangieren und  den Recordings schon so angelegt, dass wir es hinterher samplen können. Als Sample konnten wir es dann unseren Bedürfnissen genau anpassen, weil wir ja auf alle Teile separat zugreifen können”.
Am Ende – sonst wären Jazzanova nicht Jazzanova – wurden die zig so entstandenen Versionen und Teile auseinander genommen und wie ein Puzzle wieder zusammengesetzt. Das war akribisch und extrem zeitaufwendig. “Wir haben mit dieser Arbeitsweise die Grenzen eingerissen” sagt Stefan Leisering, “unser Ziel war nicht minimal sondern maximal”.

Im Gegensatz zu früher wurden die Aufnahmen und Produktion auf vielen analogen Geräten gemacht. “Natürlich nutzen wir viel digitale Technik, aber der Sound den wir suchen finden wir vor allem mit analogen Geräten” sagt Axel Reinemer. Und dazu stellen sich Jazzanova auch gerne einige Tonnen an Mischpult oder Bandmaschinen ins Studio, die natürlich von weit her organisiert werden müssen.

Ihr Aufwand ist gewaltig, aber man hört bei allem den Spaß, mit dem diese unverwechselbare Musik entstanden sein muss. Man geht gerne mit, wenn sich die vollen Harmonien mit seidigen Streichern und Stimmen gepaart über satte Beats und Bässe legen. Es ist ihnen gelungen, Songs zu komponieren, die mitreißen können und durch versierte Arrangements und vielschichtige Soundebenen begeistern.

“DJs und Produzenten haben meistens etwas anonymes, sind nicht als Künstler erkennbar.” Und so eine persönliche Handschrift sei ganz schön wichtig, bei der Flut an neuer Musik, die jede Woche wieder über einen hereinbricht.

Darauf angesprochen, ob sie nach den vielen erfolgreichen Jahren nun erwachsener geworden seien und sich mit diesem Album vielleicht auch etwas aus dem Clubleben zurückziehen wollen beantworten alle eindeutig mit der Frage: Was versteht man eigentlich unter Clubmusik? “Wir sehen uns natürlich weiterhin auch im Clubcontext, weil es uns einfach Spaß macht” sagt Alexander Barck. “Aber unser nächstes Ziel ist die Live-Umsetzung unserer Musik und dieses Albums.” Und klar, die Songs vom Album funktionieren natürlich auch im Club. “Soul und Hip-Hop ist ja gerade Musik zum Tanzen” sagt Stefan Leisering. “Logisch ist ‘Little Bird’ kein Club-Song, aber wir wollten ja auch kein Dance Album machen.”

“Wenn du eigene Songs schreibst, kommst du auf ein größeres Repertoire. Von vornherein mit Live-Instrumenten aufzunehmen, war der nächste wichtige Schritt.”

www.jazzanova.com

freshly composted 3 - compost 300

Nach 14 Jahren und mehr als 2.000 veröffentlichten Tracks ist es soweit. Compost feiert ein kleines Jubiläum. Und was für eines. 300 Katalognummern, und wir werden kein bisschen leiser. Versprochen!

Wie von Compost gewohnt, sprengt auch die Jubiläums-Compilation “Freshly Composted Vol. 3“ sämtliche stilistische Grenzen und nimmt euch mit auf eine Reise zwischen Jazz, Soul, House, Techno, über Pop zu Cosmic und zurück. Einfach Compost! “Freshly Composted Vol. 3“ bietet sowohl einen umfangreichen Überblick der wichtigsten Compost-Veröffentlichungen der letzten Monate, als auch 3 exklusive und bisher noch unveröffentlichte Tracks. Zum einen gibt es einen kleinen Einblick in das demnächst erscheinende Albumdebüt von Shahrokh Sound Of K., mit Robert Owens’ einzigartigen Vocals. Zum anderen freuen wir uns auch über den Remix von Part Time Heroes für Marbert Rocel, sowie auf eine neue Nummer von Alif Tree aus seinem im Winter 08/09 erscheinenden zweiten Album “Clockwork”.

“Freshly Composted Vol. 3“ enthält 8 weitere bislang nur auf Vinyl erhältliche Tracks, darunter Remixversionen von Innocent Sorcerers, Crazy P, I:Cube, Ripperton, TJ Kong & Nuno Dos Santos, Phreek Plus One oder Beanfield.

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7 samurai - el mundo nuevo

The very first and long awaited album by the Bavarian pirate soul kings 7 SAMURAI !!! “El Mundo Nuevo” features unreleased tracks and outstanding remixes by 7 Samurai, such as their mix for Jorge Ben, Mo´ Horizons, Dining Room and others. A great mixture of soul, latin, brasil, jazz, swing, reggae, dub, dancehall and hip hop… and a true bomb for the summer! DJ support comes from Mr.Scruff, Nik Weston, Quantic, DJ E.A.S.E. (Nightmares On Wax), Mad Mats, Red Astaire, Michael Rütten, Dom Servini, Karl Injex etc

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Hier dreht es sich nun endlich: „El mundo nuevo“ - das lang erwartete Album der Bavarian Pirate Soul Kings „7 Samurai“ - so der Pressetext. Da ja Semesterbeginn war, gehen wir der Sache nun mal wissenschaftlich nach. Und stellen uns gleich mehrere tiefgründige Fragen. Erstens: ist das musikalisch wirklich eine neue Welt? Zweitens: wer hat so lange gewartet und warum? Drittens: was sind Pirate Soul Kings? Viertens: wer sind 7 Samurai und sind es wirklich 7? Und letztlich: hat sich das warten gelohnt?
Auf das Album haben vermutlich nicht viele gewartet -  vielleicht der eine oder andere Freestyle-/Fusion-DJ. Diese kennen 7 Samurai schon lange Zeit mit grandiosen Releases auf  G.A.M.M. -  dem Number One-Bootleg-Label überhaupt. Hinter 7 Samurai stecken letztlich nur 2: Marc Frank und Tom Wieland. Letzteren kennt man vor allem von seinem Projekten Les Gammas, Dubben und Panoptikum und für qualitativ hochwertigen Clubsound mit extrem langer Halbwertszeit und ohne Scheuklappen. Highlights gibt’s auf dem Album genügend. Alle Songs bestechen durch viel Melodie und schönen Grooves. 2 Drittel des Albums besteht aus Remixen. Songs von Mo´ Horizons, Jorge Ben, Dinning Rooms etc. werden so veredelt.
Bleiben 2 Fragen übrig: Ja, das Warten hat sich sehr gelohnt. Für mich das Sommeralbum 2008 schlecht hin – leider nur zu spät veröffentlicht. Nur weiß ich bis heute noch nicht, was „Pirate Soul Kings“ sind. Aber egal – Hauptsache es klingt gut.

(QUincy Jointz 5 von 5 Punkten)

FORT KNOX FIVE - RADIO FREE D.C.

Lange ist´s schon wieder her, dass ich die ersten Fort Knox Five Tracks das erste Mal gehört habe.  Damals hat es mich geradewegs umgehauen. So frisch klang zu der Zeit wenig. Es folgten sehr erfolgreiche EPs, Remixe und die Label-Compilation „New Golden Standard“.
Nun folgt endlich das erste richtige Album mit 16 neuen Titeln. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Ernüchterung 1: es sind gar keine 16 Titel sondern nur 12, der Rest sind Radioansagen und Wetterberichte. Ernüchterung 2: die Hälfte der Tracks klingt soundmäßig wie vor 3-4 Jahren. Die Beats sind weiterhin fett., aber es fehlt oft das gewisse Etwas. In derselben Qualität schaffen das heute deutlich mehr.
Ist das Album daher insgesamt ein Flop? Für mich nicht. Das liegt vor allem an den 2 Reggae-Tracks und an „Papa was stoned“ - einer sehr gelungenen Hommage an Blaxploitation-Soundtracks. Die Erwartungen waren vielleicht einfach zu hoch. Dennoch solides und abwechslungsreiches NuFunk-Album.

(Quincy Jointz 4 von 5 Punkten)

Thievery Corporation - Radio Retaliation

„Unsere neue Platte ’Radio Retaliation’ ist ganz offenkundig ein politisches Statement“, erzählt Rob Garza, die eine Hälfte der Thievery Corporation. „Es wird einfach Zeit, die Dinge mal beim Namen zu nennen: Ausgelagerte Folterszenarien, widerrechtliche Kriege, Verluste persönlicher Freiheitsrechte, Nahrungsmittel-, Öl- und Wirtschaftskrisen – so kann das doch nicht weitergehen. Es ist schwer, seine Augen zu schließen und ruhig einzuschlafen, wenn die Welt um dich herum in Flammen steht. Wenn du ein Künstler bist, bleibt dir überhaupt nichts anderes übrig, als endlich aufzustehen und die Missstände offen anzusprechen.“ und genau das ist es, was auf ihrem neuen Album geschieht.
Rob Garza und Eric Hilton, die beiden Köpfe hinter dem weltweit bekannten DJ- und Produktionsteam Thievery Corporation, sind während der Aufnahmen in ihrem Studio im Herzen Washington DCs regelrecht aufgeblüht. Und das, obwohl sie die Stadt oft mit Babylon vergleichen - ein ergreifender Verweis auf die traditionelle Abneigung und das Misstrauen der Rastafaris gegenüber einem korrupten und fälschlicherweise als fortschrittlich erachtetem System. Sicherlich, Washington steht als Hauptstadt der Vereinigten Staaten stellvertretend für das Bild vom aggressiv-agierenden Amerika. Doch paradoxerweise war die Stadt lange Zeit Heimstätte einer musikalischen Subkultur, die stets von einer leidenschaftlichen Unabhängigkeit, einem überzeugten Do-It-Yourself-Ansatz und einem gewissenhaften sozialen Aktivismus gekennzeichnet war. Beispiele dafür sind zum Beispiel die Genre definierenden Großwerke solcher Pioniere wie dem Godfather Of Go-Go Chuck Brown oder den Hardcore-Legenden Bad Brains, Minor Threat und Fugazi.
Abseits davon gibt es auch heute immer wieder Leute, die Thievery Corporation vorzeitig und ungerechtfertigt in die Schublade einer Kapelle stecken, die lediglich den Hintergrund-Soundtrack für die amüsierwillige Abendgesellschaft liefert. Doch wer auch mal einen kurzen Blick hinter die Fassade riskiert, kann schnell feststellen, dass das Duo einen Großteil ihrer Kreativität (immer schon) tief aus dem Brunnen der unabhängigen und konfrontativen musikalischen Subkultur ihrer Heimatstadt geschöpft hat. Anders wäre es ihnen wohl auch kaum möglich gewesen, diesen einzigartigen und nur schwer zu beschreibenden Katalog musikalischer Großartigkeiten aufzubauen.
Nachdem sie 1996 mit den beiden Underground-Hits „Shaolin Satellite“ und „2001 Spliff Odyssey“ auf ihrem eigenen Label ESL Music bereits für ordentlich Aufsehen gesorgt haben, wurde schon kurze Zeit später die legendäre „Sounds From The Thievery Hi-Fi“-LP releast – ein Album, das ein ganz neues Genre erschaffen, und auf dem sich bereits sehr deutlich ihre „Outernational Sound Aesthetic“ herauskristallisiert hat. Die darauffolgenden Jahre haben sie dem Remixen von Werken solcher Künstler wie David Byrne, The Doors und Sarah McLachlan gewidmet und nebenbei drei weitere hochgelobten Platten mit eigenem Material veröffentlicht, nämlich „The Mirror Conspiracy“ (2000), „The Richest Man in Babylon“ (2002) und „The Cosmic Game“ (2005) – jedes für sich ein eigenes kleines Meisterwerk, mit dem sie sich in Umfang, Style und Inhalt jedes Mal wieder selbst übertroffen haben.
Derzeit bereiten sich Thievery Corporation schon mal mental und intensiv darauf vor, im September endlich ihr aufwieglerisches fünftes Studioalbum „Radio Retaliation“ auf die Massen loszulassen. Inspiriert wurde die Platte durch solch kompromisslos-politische Künstler wie The Clash, Public Enemy und Fela Kuti, wodurch Garza und Hilton zweifellos ihr bis dato progressivster und weiträumigster Longplayer gelungen ist. Ein Longplayer, der die harten und lange verloren geglaubten sozialpolitischen Inhalte wieder zurückbringt in die Popmusik von heute. Endlich.
„Abgesehen von ein paar letzten Indie-Bastionen kommt heute kein Funken musikalischer oder informeller Freiheit mehr über den Äther. Die Radiosender sind alle aufgekauft, konsolidiert und homogenisiert worden. Die Musik leidet darunter genauso wie die Gesellschaft an sich. Auf ‚Radio Retaliation’ geht es daher um die Flucht gewissenhafter Leute, die bereit sind anzuerkennen, dass die offiziellen Versionen von Kultur und Nachrichten oftmals nur die halbe Wahrheit sind“, erklärt Hilton konsterniert. „Wenn man sich das Cover anschaut, sind darauf einige mexikanische Zapatistakämpfer abgebildet. Die tragen Masken, um nicht von rechtsradikalen Todesschwadronen erkannt, verfolgt und bedroht zu werden. Solche Bewegungen wie die der Zapatisten sind eine große Inspirationsquelle für uns, und das hört man auch sehr deutlich auf dem neuen Album.“
„Unsere Platten waren auch noch nie so international ausgerichtet wie diese jetzt“, fügt Garza hinzu, jongliert „Radio Retaliation“ doch gekonnt mit den vielfältig-eklektischen Soundbausteinen aus Jamaika, Lateinamerika, Afrika, Asien und dem Mittleren Osten. „Wir haben dieses Mal mit Künstlern auf der ganzen Welt zusammengearbeitet. Die Wurzeln unserer Inspiration haben ja immer schon darin gelegen, sich so weit wie möglich auszubreiten und zu schauen, was aktuell auf der Welt los ist. Und momentan passiert einfach verdammt viel, und zwar in sämtlichen Bereichen.“
Doch auch musikalisch haben Thievery Corporation die Latte wieder mal ein ganzes Stück höher gehängt und sich dabei von einem bunten Haufen interessanter Leute unter die Arme greifen lassen: Nigerias Afro-Beat-Erbe Femi Kuti (der älteste Sohn Fela Kutis), Brasiliens Star-Vokalist und –Gitarrist Seu Jorge, die indische Sitar-Virtuosin Anushka Shankar, die slowenische Sängerin und Violinistin Jana Andevska und Wahshington DCs Go-Go-Legende Chuck Brown – sie alle haben es sich nicht nehmen lassen, ihr eigenes künstlerisches Statement auf dieser herausragenden Platte abzugeben. Aber auch alte Weggefährten wie Sleepy Wonder, Lou Lou, Notch, Zee und Verny Varela sind wieder mit dabei und bestechen einmal mehr durch eine wunderbar unaufgeregte Vielseitigkeit.
Ein stilbildendes Element im Soundbild der Thievery Corporation ist immer schon eine immense Entschlossenheit im Umgang mit einer unnachahmlichen Form von organischer Qualität gewesen, die sich auch durch die reichhaltige Produktion von „Radio Retaliation“ oder die kürzlich absolvierten Live-Gigs zieht. Trotz ihrer eher minimalistisch zu nennenden Anfänge haben sich Garza und Hilton über die Jahre hinweg ein ständig wachsendes Netzwerk an Musikern, Sängern und kreativen Mitstreitern aufgebaut, die mit einer beispielhaften Energie auf der Bühne zu einer 15-köpfigen Live-Band zusammengewachsen sind. Dem-entsprechend geblendet sind die Thievery Corporation-Anhänger, wenn die Gruppe das Publikum bei ausverkauften Shows und Festivals mit ihrer kaleidoskopischen Live-Show jedes Mal auf’s Neue begeistert und in Verzückung versetzt.
Mit Hilfe langjähriger Partner wie dem UN World Food Programme versucht die Thievery Corporation zudem schon seit geraumer Zeit, nicht nur die tanzenden Körper der Menschen selbst, sondern auch etwas in deren Köpfen zu bewegen. „Wir wollen definitiv unseren Teil dazu beitragen, dass die Leute endlich anfangen, nicht nur Augen und Ohren zu öffnen, sondern auch ihr Gehirn einzuschalten“, erklärt Garza. „Unsere Live-Shows sind daher das beste Beispiel für eine funktionierende dynamische Verknüpfung musikalischer, kultureller und gesellschaftlicher Interessen. Deshalb hört man bei unseren Gigs einen Perser in Farsi singen, hört spanisch, portugiesisch und französisch, hört verschiedene Ansichten über die Probleme dieser Welt und das lässt einen nachdenken…und solange man die Menschen dazu bringt, die Dinge zu hinterfragen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, und sei es nur für einen kurzen Augenblick, kann der eingeschlagene Weg doch nicht allzu falsch sein. Oder?“

Tracklisting:

1)  Sound the Alarm (featuring Sleepy Wonder)
2)  Mandala (featuring Anoushka Shankar)
3)  Radio Retaliation (featuring Sleepy Wonder)
4)  Vampires (featuring Femi Kuti)
5)  Hare Krsna (featuring Seu Jorge)
6)  El Pueblo Unido (featuring Verny Varela)
7)  (The Forgotten People)
8)  33 Degree (featuring Zee)
9)  Beautiful Drug (featuring Jana Andevska)
10)  La Femme Parallel (featuring LouLou)
11)  Retaliation Suite
12)  The Numbers Game (featuring Chuck Brown)
13)  The Shining Path
14)  Blasting Through the City (featuring Notch)
15)  Sweet Tides (featuring LouLou)

Gelka - Less Is More

Die Ungarn sind mir seit meinem ersten Balaton-Besuch 1991 an das Herz gewachsen. Von der Gulaschsuppe und Unicum-Schnaps ganz zu schweigen. Aber musikalisch fand ich das bislang schwer. Dass Zigeuner-Sound rockt zeigt ja seit ein paar Jahren Shantel. Club-Sounds kenne ich hingegen aber wenige aus Ungarn und das obwohl Budapest sicherlich eine der frischesten Metropolen zur Zeit ist. Mit Gelka startet nun ein ungarisches Duo durch. Auf dem Label von Nightmare on Wax veröffentlichen sie ein Album, das zwar keinen Club-Sound bietet, dennoch aber das lange dahin vegetierende Genre Downbeats wiederbelebt. Dafür verwenden Gelka schwere Hip Hop-Beats, tonnenweise Dub-Effekte und setzen gelegentlich Gastsänger/innen ein (Sena bekann aus der Zusammenarbeit mit DJ Vadim, und die Sänger von Nightmare on Wax Ricky Ranking and Ella May). Abgerundet wird der Gelka-Sound mit einer großen Portion ungarischer Melancholie - ohne dabei traurig oder gar depressiv zu werden. Fast alle Titel überzeugen und gehen ins Ohr und die Füße wippen. Gelka  haben eine eigene Mischung, die auch nach dem 20sten Hörer nicht langweilig wird. Gelungenes Album.

(Quincy Jointz 4 von 5 Punkten)

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