Archive für Oktober 2008

freshly composted 3 - compost 300

Nach 14 Jahren und mehr als 2.000 veröffentlichten Tracks ist es soweit. Compost feiert ein kleines Jubiläum. Und was für eines. 300 Katalognummern, und wir werden kein bisschen leiser. Versprochen!

Wie von Compost gewohnt, sprengt auch die Jubiläums-Compilation “Freshly Composted Vol. 3“ sämtliche stilistische Grenzen und nimmt euch mit auf eine Reise zwischen Jazz, Soul, House, Techno, über Pop zu Cosmic und zurück. Einfach Compost! “Freshly Composted Vol. 3“ bietet sowohl einen umfangreichen Überblick der wichtigsten Compost-Veröffentlichungen der letzten Monate, als auch 3 exklusive und bisher noch unveröffentlichte Tracks. Zum einen gibt es einen kleinen Einblick in das demnächst erscheinende Albumdebüt von Shahrokh Sound Of K., mit Robert Owens’ einzigartigen Vocals. Zum anderen freuen wir uns auch über den Remix von Part Time Heroes für Marbert Rocel, sowie auf eine neue Nummer von Alif Tree aus seinem im Winter 08/09 erscheinenden zweiten Album “Clockwork”.

“Freshly Composted Vol. 3“ enthält 8 weitere bislang nur auf Vinyl erhältliche Tracks, darunter Remixversionen von Innocent Sorcerers, Crazy P, I:Cube, Ripperton, TJ Kong & Nuno Dos Santos, Phreek Plus One oder Beanfield.

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7 samurai - el mundo nuevo

The very first and long awaited album by the Bavarian pirate soul kings 7 SAMURAI !!! “El Mundo Nuevo” features unreleased tracks and outstanding remixes by 7 Samurai, such as their mix for Jorge Ben, Mo´ Horizons, Dining Room and others. A great mixture of soul, latin, brasil, jazz, swing, reggae, dub, dancehall and hip hop… and a true bomb for the summer! DJ support comes from Mr.Scruff, Nik Weston, Quantic, DJ E.A.S.E. (Nightmares On Wax), Mad Mats, Red Astaire, Michael Rütten, Dom Servini, Karl Injex etc

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Hier dreht es sich nun endlich: „El mundo nuevo“ - das lang erwartete Album der Bavarian Pirate Soul Kings „7 Samurai“ - so der Pressetext. Da ja Semesterbeginn war, gehen wir der Sache nun mal wissenschaftlich nach. Und stellen uns gleich mehrere tiefgründige Fragen. Erstens: ist das musikalisch wirklich eine neue Welt? Zweitens: wer hat so lange gewartet und warum? Drittens: was sind Pirate Soul Kings? Viertens: wer sind 7 Samurai und sind es wirklich 7? Und letztlich: hat sich das warten gelohnt?
Auf das Album haben vermutlich nicht viele gewartet -  vielleicht der eine oder andere Freestyle-/Fusion-DJ. Diese kennen 7 Samurai schon lange Zeit mit grandiosen Releases auf  G.A.M.M. -  dem Number One-Bootleg-Label überhaupt. Hinter 7 Samurai stecken letztlich nur 2: Marc Frank und Tom Wieland. Letzteren kennt man vor allem von seinem Projekten Les Gammas, Dubben und Panoptikum und für qualitativ hochwertigen Clubsound mit extrem langer Halbwertszeit und ohne Scheuklappen. Highlights gibt’s auf dem Album genügend. Alle Songs bestechen durch viel Melodie und schönen Grooves. 2 Drittel des Albums besteht aus Remixen. Songs von Mo´ Horizons, Jorge Ben, Dinning Rooms etc. werden so veredelt.
Bleiben 2 Fragen übrig: Ja, das Warten hat sich sehr gelohnt. Für mich das Sommeralbum 2008 schlecht hin – leider nur zu spät veröffentlicht. Nur weiß ich bis heute noch nicht, was „Pirate Soul Kings“ sind. Aber egal – Hauptsache es klingt gut.

(QUincy Jointz 5 von 5 Punkten)

FORT KNOX FIVE - RADIO FREE D.C.

Lange ist´s schon wieder her, dass ich die ersten Fort Knox Five Tracks das erste Mal gehört habe.  Damals hat es mich geradewegs umgehauen. So frisch klang zu der Zeit wenig. Es folgten sehr erfolgreiche EPs, Remixe und die Label-Compilation „New Golden Standard“.
Nun folgt endlich das erste richtige Album mit 16 neuen Titeln. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Ernüchterung 1: es sind gar keine 16 Titel sondern nur 12, der Rest sind Radioansagen und Wetterberichte. Ernüchterung 2: die Hälfte der Tracks klingt soundmäßig wie vor 3-4 Jahren. Die Beats sind weiterhin fett., aber es fehlt oft das gewisse Etwas. In derselben Qualität schaffen das heute deutlich mehr.
Ist das Album daher insgesamt ein Flop? Für mich nicht. Das liegt vor allem an den 2 Reggae-Tracks und an „Papa was stoned“ - einer sehr gelungenen Hommage an Blaxploitation-Soundtracks. Die Erwartungen waren vielleicht einfach zu hoch. Dennoch solides und abwechslungsreiches NuFunk-Album.

(Quincy Jointz 4 von 5 Punkten)

Thievery Corporation - Radio Retaliation

„Unsere neue Platte ’Radio Retaliation’ ist ganz offenkundig ein politisches Statement“, erzählt Rob Garza, die eine Hälfte der Thievery Corporation. „Es wird einfach Zeit, die Dinge mal beim Namen zu nennen: Ausgelagerte Folterszenarien, widerrechtliche Kriege, Verluste persönlicher Freiheitsrechte, Nahrungsmittel-, Öl- und Wirtschaftskrisen – so kann das doch nicht weitergehen. Es ist schwer, seine Augen zu schließen und ruhig einzuschlafen, wenn die Welt um dich herum in Flammen steht. Wenn du ein Künstler bist, bleibt dir überhaupt nichts anderes übrig, als endlich aufzustehen und die Missstände offen anzusprechen.“ und genau das ist es, was auf ihrem neuen Album geschieht.
Rob Garza und Eric Hilton, die beiden Köpfe hinter dem weltweit bekannten DJ- und Produktionsteam Thievery Corporation, sind während der Aufnahmen in ihrem Studio im Herzen Washington DCs regelrecht aufgeblüht. Und das, obwohl sie die Stadt oft mit Babylon vergleichen - ein ergreifender Verweis auf die traditionelle Abneigung und das Misstrauen der Rastafaris gegenüber einem korrupten und fälschlicherweise als fortschrittlich erachtetem System. Sicherlich, Washington steht als Hauptstadt der Vereinigten Staaten stellvertretend für das Bild vom aggressiv-agierenden Amerika. Doch paradoxerweise war die Stadt lange Zeit Heimstätte einer musikalischen Subkultur, die stets von einer leidenschaftlichen Unabhängigkeit, einem überzeugten Do-It-Yourself-Ansatz und einem gewissenhaften sozialen Aktivismus gekennzeichnet war. Beispiele dafür sind zum Beispiel die Genre definierenden Großwerke solcher Pioniere wie dem Godfather Of Go-Go Chuck Brown oder den Hardcore-Legenden Bad Brains, Minor Threat und Fugazi.
Abseits davon gibt es auch heute immer wieder Leute, die Thievery Corporation vorzeitig und ungerechtfertigt in die Schublade einer Kapelle stecken, die lediglich den Hintergrund-Soundtrack für die amüsierwillige Abendgesellschaft liefert. Doch wer auch mal einen kurzen Blick hinter die Fassade riskiert, kann schnell feststellen, dass das Duo einen Großteil ihrer Kreativität (immer schon) tief aus dem Brunnen der unabhängigen und konfrontativen musikalischen Subkultur ihrer Heimatstadt geschöpft hat. Anders wäre es ihnen wohl auch kaum möglich gewesen, diesen einzigartigen und nur schwer zu beschreibenden Katalog musikalischer Großartigkeiten aufzubauen.
Nachdem sie 1996 mit den beiden Underground-Hits „Shaolin Satellite“ und „2001 Spliff Odyssey“ auf ihrem eigenen Label ESL Music bereits für ordentlich Aufsehen gesorgt haben, wurde schon kurze Zeit später die legendäre „Sounds From The Thievery Hi-Fi“-LP releast – ein Album, das ein ganz neues Genre erschaffen, und auf dem sich bereits sehr deutlich ihre „Outernational Sound Aesthetic“ herauskristallisiert hat. Die darauffolgenden Jahre haben sie dem Remixen von Werken solcher Künstler wie David Byrne, The Doors und Sarah McLachlan gewidmet und nebenbei drei weitere hochgelobten Platten mit eigenem Material veröffentlicht, nämlich „The Mirror Conspiracy“ (2000), „The Richest Man in Babylon“ (2002) und „The Cosmic Game“ (2005) – jedes für sich ein eigenes kleines Meisterwerk, mit dem sie sich in Umfang, Style und Inhalt jedes Mal wieder selbst übertroffen haben.
Derzeit bereiten sich Thievery Corporation schon mal mental und intensiv darauf vor, im September endlich ihr aufwieglerisches fünftes Studioalbum „Radio Retaliation“ auf die Massen loszulassen. Inspiriert wurde die Platte durch solch kompromisslos-politische Künstler wie The Clash, Public Enemy und Fela Kuti, wodurch Garza und Hilton zweifellos ihr bis dato progressivster und weiträumigster Longplayer gelungen ist. Ein Longplayer, der die harten und lange verloren geglaubten sozialpolitischen Inhalte wieder zurückbringt in die Popmusik von heute. Endlich.
„Abgesehen von ein paar letzten Indie-Bastionen kommt heute kein Funken musikalischer oder informeller Freiheit mehr über den Äther. Die Radiosender sind alle aufgekauft, konsolidiert und homogenisiert worden. Die Musik leidet darunter genauso wie die Gesellschaft an sich. Auf ‚Radio Retaliation’ geht es daher um die Flucht gewissenhafter Leute, die bereit sind anzuerkennen, dass die offiziellen Versionen von Kultur und Nachrichten oftmals nur die halbe Wahrheit sind“, erklärt Hilton konsterniert. „Wenn man sich das Cover anschaut, sind darauf einige mexikanische Zapatistakämpfer abgebildet. Die tragen Masken, um nicht von rechtsradikalen Todesschwadronen erkannt, verfolgt und bedroht zu werden. Solche Bewegungen wie die der Zapatisten sind eine große Inspirationsquelle für uns, und das hört man auch sehr deutlich auf dem neuen Album.“
„Unsere Platten waren auch noch nie so international ausgerichtet wie diese jetzt“, fügt Garza hinzu, jongliert „Radio Retaliation“ doch gekonnt mit den vielfältig-eklektischen Soundbausteinen aus Jamaika, Lateinamerika, Afrika, Asien und dem Mittleren Osten. „Wir haben dieses Mal mit Künstlern auf der ganzen Welt zusammengearbeitet. Die Wurzeln unserer Inspiration haben ja immer schon darin gelegen, sich so weit wie möglich auszubreiten und zu schauen, was aktuell auf der Welt los ist. Und momentan passiert einfach verdammt viel, und zwar in sämtlichen Bereichen.“
Doch auch musikalisch haben Thievery Corporation die Latte wieder mal ein ganzes Stück höher gehängt und sich dabei von einem bunten Haufen interessanter Leute unter die Arme greifen lassen: Nigerias Afro-Beat-Erbe Femi Kuti (der älteste Sohn Fela Kutis), Brasiliens Star-Vokalist und –Gitarrist Seu Jorge, die indische Sitar-Virtuosin Anushka Shankar, die slowenische Sängerin und Violinistin Jana Andevska und Wahshington DCs Go-Go-Legende Chuck Brown – sie alle haben es sich nicht nehmen lassen, ihr eigenes künstlerisches Statement auf dieser herausragenden Platte abzugeben. Aber auch alte Weggefährten wie Sleepy Wonder, Lou Lou, Notch, Zee und Verny Varela sind wieder mit dabei und bestechen einmal mehr durch eine wunderbar unaufgeregte Vielseitigkeit.
Ein stilbildendes Element im Soundbild der Thievery Corporation ist immer schon eine immense Entschlossenheit im Umgang mit einer unnachahmlichen Form von organischer Qualität gewesen, die sich auch durch die reichhaltige Produktion von „Radio Retaliation“ oder die kürzlich absolvierten Live-Gigs zieht. Trotz ihrer eher minimalistisch zu nennenden Anfänge haben sich Garza und Hilton über die Jahre hinweg ein ständig wachsendes Netzwerk an Musikern, Sängern und kreativen Mitstreitern aufgebaut, die mit einer beispielhaften Energie auf der Bühne zu einer 15-köpfigen Live-Band zusammengewachsen sind. Dem-entsprechend geblendet sind die Thievery Corporation-Anhänger, wenn die Gruppe das Publikum bei ausverkauften Shows und Festivals mit ihrer kaleidoskopischen Live-Show jedes Mal auf’s Neue begeistert und in Verzückung versetzt.
Mit Hilfe langjähriger Partner wie dem UN World Food Programme versucht die Thievery Corporation zudem schon seit geraumer Zeit, nicht nur die tanzenden Körper der Menschen selbst, sondern auch etwas in deren Köpfen zu bewegen. „Wir wollen definitiv unseren Teil dazu beitragen, dass die Leute endlich anfangen, nicht nur Augen und Ohren zu öffnen, sondern auch ihr Gehirn einzuschalten“, erklärt Garza. „Unsere Live-Shows sind daher das beste Beispiel für eine funktionierende dynamische Verknüpfung musikalischer, kultureller und gesellschaftlicher Interessen. Deshalb hört man bei unseren Gigs einen Perser in Farsi singen, hört spanisch, portugiesisch und französisch, hört verschiedene Ansichten über die Probleme dieser Welt und das lässt einen nachdenken…und solange man die Menschen dazu bringt, die Dinge zu hinterfragen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, und sei es nur für einen kurzen Augenblick, kann der eingeschlagene Weg doch nicht allzu falsch sein. Oder?“

Tracklisting:

1)  Sound the Alarm (featuring Sleepy Wonder)
2)  Mandala (featuring Anoushka Shankar)
3)  Radio Retaliation (featuring Sleepy Wonder)
4)  Vampires (featuring Femi Kuti)
5)  Hare Krsna (featuring Seu Jorge)
6)  El Pueblo Unido (featuring Verny Varela)
7)  (The Forgotten People)
8)  33 Degree (featuring Zee)
9)  Beautiful Drug (featuring Jana Andevska)
10)  La Femme Parallel (featuring LouLou)
11)  Retaliation Suite
12)  The Numbers Game (featuring Chuck Brown)
13)  The Shining Path
14)  Blasting Through the City (featuring Notch)
15)  Sweet Tides (featuring LouLou)

Gelka - Less Is More

Die Ungarn sind mir seit meinem ersten Balaton-Besuch 1991 an das Herz gewachsen. Von der Gulaschsuppe und Unicum-Schnaps ganz zu schweigen. Aber musikalisch fand ich das bislang schwer. Dass Zigeuner-Sound rockt zeigt ja seit ein paar Jahren Shantel. Club-Sounds kenne ich hingegen aber wenige aus Ungarn und das obwohl Budapest sicherlich eine der frischesten Metropolen zur Zeit ist. Mit Gelka startet nun ein ungarisches Duo durch. Auf dem Label von Nightmare on Wax veröffentlichen sie ein Album, das zwar keinen Club-Sound bietet, dennoch aber das lange dahin vegetierende Genre Downbeats wiederbelebt. Dafür verwenden Gelka schwere Hip Hop-Beats, tonnenweise Dub-Effekte und setzen gelegentlich Gastsänger/innen ein (Sena bekann aus der Zusammenarbeit mit DJ Vadim, und die Sänger von Nightmare on Wax Ricky Ranking and Ella May). Abgerundet wird der Gelka-Sound mit einer großen Portion ungarischer Melancholie - ohne dabei traurig oder gar depressiv zu werden. Fast alle Titel überzeugen und gehen ins Ohr und die Füße wippen. Gelka  haben eine eigene Mischung, die auch nach dem 20sten Hörer nicht langweilig wird. Gelungenes Album.

(Quincy Jointz 4 von 5 Punkten)

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